Exhibitions

I Come From The Mountains

August 30 - October 13, 2018

Galerie Peter Kilchmann freut sich die Gruppenausstellung I come from the mountain (Ich komme aus den Bergen) anzukündigen. Mit Künstlern aus China, Libanon/ Deutschland und Lettland wird die Ausstellung vier starke Positionen aus unterschiedlichem geographischen Kontext zum klassischen Medium Malerei präsentieren. Anhand altbewährter Kategorien wie Genre, Portrait und Landschaft wird der Betrachter eingeladen sich den Kontext gebundenen, historischen, sozialen und teilweise sehr persönlichen Sujets der einzelnen Künstler wie Identitätssuche, Flucht und Veränderung zu nähern. Während jeder Künstler einen sehr individuellen Ansatz verfolgt, ist ihr Anliegen doch verknüpft: Es ist ein sehr bewusster Umgang mit einer Methode, welche längst nicht mehr im Hauptfokus der Aufmerksamkeit liegt, während ihre Themen nicht zeitgemässer sein könnten. Doch sind die Künstler vielleicht gerade deshalb in ihrem jeweiligen Heimatland anerkannt, nämlich weil sie es verstehen die Tradition ihrer Gattung zu pflegen ohne dabei an Aktualität zu verlieren. Es sind Neue Meister, deren Werke das Publikum für die anspruchsvolle Ästhetik und das unausschöpfliche Potenzial der Malerei neu sensibilisieren.

Der chinesische Künstler Wang Yabin (*1974), dessen Werk I come from the Mountain (2017, 132 x 120) cm der Ausstellung den Titel gab, gilt als Kenner der klassischen chinesischen Literatur. Seine Werke spiegeln diese tiefe Belesenheit wieder, erzählen von traumartigen Szenen und Fantasie-Landschaften, die alten Volkssagen entsprungen zu sein scheinen. In den Werken der Ausstellung trifft der Betrachter auf einsame Wanderer inmitten dichter Wälder. Doch treten die Protagonisten gegenüber der überwältigenden Natur stark in den Hintergrund. Es sind geisterhafte, Silhouetten, die auf versteckten Wegen durch nachtblaue, erdgelbe oder tannengrüne Wälder wandeln. Die einfühlsamen Pinselstriche und die sehr zurückhaltende Palette ziehen starke Referenz zu alter chinesischer Maltradition, welche Wang Yabin in seine eigene ästhetisch verfeinerte Sprache übersetzt. Skizzenhafte, nahezu zeichnerisch komponierte Details gehen in weich gemalte Flächen über. Der pastose Pinselstrich verleiht den Szenen eine haptische Präsenz, die den Betrachter magnetisch anzieht.
Wang Yabin wurde in Xinxiang, China geboren. Er lebt und arbeitet in Shexian, nahe Shanghai. Wichtige Ausstellungen der letzten Jahre waren u.a. Blank Cheque bei Contemporary Fine Arts in Berlin in 2017, Wandering - Wang Yabin im Poly Art Centre, Hongkong in 2016, Garden Splendors im Jinji Lake Art Museum in Suzhou in 2015, Pavilion on Memories im Asia House London und Lost Portrait im Long Museum, Shanghai in 2013, Unexpected Fragrance im Hanhouse Art Museum in Hangzhou, China und diverse Ausstellungen in Galerien in China.

Eine weitere Position aus China ist der Künstler Duan Jianwei (* 1961). Seine Werke zeigen Portraits und Genre-Szenen, die sich durch klare Umrisslinien und definierte Farbflächen auszeichnen. Die Figur und ihr rurales Umfeld steht im Mittelpunkt. In einer Zeit, in welcher in China immer mehr Bevölkerungsschichten die Dörfer verlassen und in die Stadt umsiedeln, portraitiert Duan Jianwei einfache Menschen, die ihren schlichten Tätigkeiten auf dem Lande nachgehen, wie dem Feuer machen oder dem Wasser holen. So bodenständig wie ihre Tätigkeiten sind auch die Figuren selbst schlicht und klar konstruiert. Es ist eine Formensprache, die sich an Aspekten antiker chinesischer Höhlen-Statuen und westlicher Meister der Renaissance inspiriert. In Werken wie Taking a Rest, (2016, 130 x 160) cm or Lighting Fire (2015, 160 x 110 cm) ist der innere Gefühlszustand der Protagonisten auf ein Minimum reduziert. Weder Mimik noch Gestik verraten eine klar definierte Emotion. Doch wirken die Szenen dadurch nicht weniger authentisch. Durch ihre ruhige, solide und bildfüllende Präsenz schaffen Duan Jianweis Figuren visuelle Momente, die angenehm auf das Auge wirken.
Duan Jianwei wurde in Xuchang geboren und lebt und arbeitet in Peking, wo er als Professor an der Academy of Fine Arts der Capital Normal University doziert. Im Herbst wird sein Werk in der Gruppenausstellung Oriental Peach Valley: Contemporary Chinese Art with Sources of the Traditional Oriental Aesthetics in der Werkschauhalle der Spinnerei in Leipzig sein (Sept. 7 - 30). Weitere Ausstellungen der letzten Jahre waren u.a.: Aura annd Vitality bei Platform China, Beijing in 2017, Image - Study on the performance of Chinese contemporary oil painting in der Chinese Academy of Oil Paintings, Beijing in 2015 und viele weitere.

Die Sujets in den Malereien von Said Baalbaki (* 1974) werfen Fragen auf von Heimat und Identität. Seine Bildwelten sind nicht selten verlinkt mit seinen autobiographischen Erfahrungen und handeln von der Entwurzelung und dem Fremdsein, von der Zerissenheit zwischen zwei Welten. In seiner neuen Werkgruppe mit dem Titel Mon(t) Liban malt er zu immensen Haufen aufgetürmte, verlassene Koffer in einem nicht näher definierten Raum und Kontext. Die Kompositionen sind stark abstrahiert. Der Pinselduktus ist lebhaft und nahezu expressionistisch, wodurch die Kofferberge humoristisch verzerrt werden. Der Titel der Serie spielt mit den französischen Begriffen „Mont“ und „Mon“, was zu Deutsch „Mein Libanon“ oder das Libanesische Gebirge bedeuten kann. So werden die Kofferberge zu einem Symbol für Flucht und Vertreibung und wecken eine tiefe Sehnsucht nach der Heimat.
Der im Libanon geborene Künstler kam während seiner von Krieg geprägten Studienzeit nach Deutschland und pendelt seit vielen Jahren zwischen Beirut und Berlin. Seine Werke befinden sich in Sammlungen internationaler Institutionen, wie der Barjeel Art Foundtaion, Sharjah, dem British Museum, London und der Fondation Louis Vuitton, Paris. Unter anderem wurden seine Werke in Ausstellungen im Institut du Monde Arabe, Paris (2017) und dem Aga Khan Museum, Toronto, Canada (2016) gezeigt. Eine wichtige Einzelausstellung fand 2011 im Georg-Kolbe-Museum, Berlin statt. Im vergangenen Juli präsentierte er die Ausstellung Jussuf Abbo (1888-1953). The Sculpture in the Bedouin Tent in der Agial Art Gallery in Beirut.

Die monochromen Kompositionen von Janis Avotins (*1981) erinnern mit ihren weichen Grau-Tönen an verblasste s/w-Fotografien. Seine Vorlagen findet der Künstler in alten Print-Medien der Sowiet-Ära, wie z.B. in Zeitschriften, Geschichtsbüchern oder Reiseführern, die er über Jahre gesammelt hat. Die einzelnen Bilder sind oft das Ergebnis eingehender Recherchen und gehören thematisch grösseren Serien an. In Untitled (Two men), 2014 portraitiert Avotins zwei Männer, die mit verschleiertem Blick in eine unbekannte Ferne schauen. Raum und Kontext bleiben nebulös und obskur, wodurch die Identität der Portraitierten unklar bleibt: Machthaber aus dem Sowjetkongress oder anonymen Träumer? Andere Bilder, wie Untitled (Ballerina), welches die filigranen Züge einer für das russische Staatsballett repräsentativen Ballerina zeigt, adaptieren die in Avotins Jugend geläufigen Photographien sportlicher Ikonen als Kultur-Propaganda. In einer Werkgruppe in Bleistift auf Papier thematisiert er die repräsentative, palastartige Architektur, welche dem Regime gleichsam als Werkzeug diente, um die sowjetische Ideologie zu zementieren. Die einzelnen Motive und Detail-Ausschnitte stammen aus sowjetischen Städteführern und wirken wie unkommentierte, gedankliche Spaziergänge durch Metropolen wie Moskau, St. Petersburg, Minsk und Riga - eine innere Kontemplation über die Vergangenheit des eigenen Landes und die sozialistische Ideologie.
Janis Avotins wurde in Riga, Lettland geboren, wo er auch heute noch seinen Lebensmittelpunkt hat. Seine Werke befinden sich in Sammlungen weltweiter Institutionen, wie der Sandretto Fondation-Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Italien, dem Lettischen Nationalen Kunstmuseum, Riga, der Bundeskunstsammlung, Bonn, und der Rubell Family Collection, Miami. Wichtige Ausstellungen der letzten Jahre waren: Švente in der Vartai Gallery, Vilnius in 2018, Prix Jean-François Prat im Palais de Tokyo, Paris in 2016, Fobofilia in der Collezione Sandretto Re Rebaudengo, Turin in 2015, Nur hier, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn in 2013 und andere.