Exhibitions

Willie Doherty

March 3 - April 8, 1995

Der aus Nordirland stammende Künstler Willie Doherty hat sich in den letzten

Jahren auf dem internationalen Parkett einen hervorragenden Ruf geschaffen.

Zwei erfolgreiche Ausstellungen in New York krönen das Werk des 36jährigen,

ebenso die Ausstellung in der Tate Gallery in London, 1994, die Aufgrund

seiner Nomination für den bedeutendsten britischen Kunstpreis, den Turner

Prize, zustandegekommen war.

Dohertys neue Ausstellung bei der Peter Kilchmann Galerie setzt sich aus zwei

Elementen zusammen, die sich aufeinander beziehen: aus einer Gruppe

grossformatiger, Cibachrome-Fotografien im grossen Raum der Galerie sowie

aus einer Videoinstallation im kleinen Raum. Zudem sind zwei Einzelarbeiten zu

sehen (siehe Einladungskarte).

Der Videobildschirm zeigt einen einsamen Menschen in einem verlassenen,

völlig verwüsteten Fabrikgebäude. Der Mensch bewegt sich in dieser Ruine,

beobachtet von einer fest montierten Kamera. Der Blickwinkel fordert

Betrachter/-innen auf, sich mit der Identität dieses Menschen zu befassen

und mit der Natur seiner Tätigkeit.

Die Verlorenheit im Video wird in den Fotografien im grossen Raum erwidert,

denn Video und Fotografien zeigen dieselben Räume. Die Aufnahmen könnten

zwar an Abbildungen von Gewalt erinnern, doch verschliessen sie sich einer

festgelegten Deutung, sie zerstören die definierte Bildersprache und geben

Anlass zu eigenen Interpretationen.

Dohertys Video und Fotografien legen nicht fest, was Wahrheit ist und was

nicht. Sie spielen in der Gegenwart wie in der Vergangenheit. Sie bieten sich

als Projektionsflächen an - und entziehen sich gleichsam. Ihre erste Aufgabe

ist es, hier zu sein.